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Neue Mittelland Zeitung vom 20.11.2001 Professionelle Helfer sind teuer

Die «Perspektive» ist über die Grenzen als Modellbetrieb anerkannt

Die «Perspektive» bündelt die Fachstellen für soziale Dienstleistungen unter einem Dach. Die als Verein organisierte Institution «löst mit einem Subventionsfranken Leistungen von 2.56 Franken aus», wie Geschäftsleiter Lukas Leber nicht ohne Stolz berichtet. Verkehrte Welt, denkt der Laie, kann man mit alkoholsüchtigen oder drogenabhängigen Menschen wirtschaften?

Urs Byland

Die Frage mag provokativ erscheinen und verlangt nach einer Erklärung. «Wir sind nicht einfach Durchlauferhitzer. Wir brauchen Geld, klar, aber wir erwirtschaften auch Geld, das der Allgemeinheit zu Gute kommt.» Geschäftsleiter Lukas Leber erwähnt zu diesem Punkt insbesondere die Arbeitseinsätze. Dieser Teilbereich steigerte im letzten Jahr die Bruttolohnsumme um 23 Prozent. Ausbezahlt wurden 770 000 Franken für Hilfsarbeiten, Transporte, Reinigungs-, Garten- oder Bauarbeiten etc. «Wir erwirtschaften mit Dienstleistungen Geld, das die Sozialhilfe in den Gemeinden entlastet.»

Intensiviert wurde die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. «Sobald sich Kontakte ergeben, relativieren sich Vorbehalte von Seiten der Wirtschaft. Der Umgang mit den Taglöhnern ist sicher nicht einfach, aber trotzdem wird ihre Arbeitsleistung geschätzt.» Leber streicht auch die Flexibilität hervor. Komme am Abend ein Auftrag herein, so sei «Perspektive» in der Lage, schnell eine Equipe zusammenzustellen und den Auftrag zu erfüllen. Den Einwand, dass dadurch die Wirtschaft ihre Auftragsspitzen brechen und auf Anstellungen verzichten kann, lässt Leber nicht gelten. Er betont das Positive für die «Perspektive». «Unsere Leute können so oder so nicht fünf Tage in der Woche arbeiten. Für sie ist es ein wertvolles Training für einen Einstieg in das geregelte Berufsleben.»

Als Pluspunkt verbucht Lukas Leber für die «Perspektive» die Einführung des «Case Managements». Dieses erlaubt das Führen eines einzigen Dossiers für einen Klienten, auf das alle berechtigten Stellen innerhalb der «Perspektive» Zugriff haben. Das Dossiers dokumentiert die Geschichte und die Arbeit mit dem Klienten und ermöglicht fallbezogene Massnahmen sowie im Rahmen der Kontrolle auch ein flexibles Anpassen der «Perspektive» an die Bedürfnisse ihrer gesamten Klientenschaft. «Es schafft Übersicht in der Versorgungslandschaft und Transparenz im Verfahren für alle Beteiligten und legt insbesondere für den Hilfebedürftigen Wegmarken für seine Unterstützung und sein eigenes Dazutun fest», schreibt Wolf Rainer Wendt, Professor und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sozialarbeit, der die Einführung massgeblich begleitete. Er lobt die «Perspektive»: «Das ist in dieser Systematik bisher nirgends sonst im deutschsprachigen Raum erreicht.» Ausdruck davon sind Radiobeiträge und Berichte in der Fachpresse.

Wandel in der Sozialarbeit

Lukas Leber spricht von einer «enormen Effizienzsteigerung». Der ausgebildete Sozialarbeiter, Jurist und Unternehmer Leber glaubt nicht, dass die starken Fluktuationen im «Perspektive»-Team im letzten Jahr etwas mit der Einführung des Case Managements zu tun haben. Er stellt aber einen Kulturwandel in der Sozialarbeit fest: «Man ist angehalten etwas zu produzieren, man muss Leistung erbringen und diese auch ausweisen.»

Der Effizienzsteigerung und den Einsparungen von rund 700 000 Franken im Vergleich zum Zeitpunkt vor dem Zusammenschluss zur «Perspektive» gegenüber steht eine massive Erhöhung des Budgetdefizits für das laufende Jahr. Während im letzten Jahr das Defizit knapp 53 000 Franken betrug rechnet «Perspektive» für 2001 mit rund 290 000 Franken. «Wir rechnen mit denselben Leistungen, das Problem sind klar die Löhne.» Das Case Management erfordert mehr Stellenprozente und «qualifizierte Arbeit ist teuer», so Leber.

Die «Perspektive» vereinigt die drei Beratungsstellen Alkoholprobleme, Suchtprobleme und Jugendfragen, das Begleitete Wohnen, Arbeitseinsätze, die Gassenküche, die Gassennahe Anlaufstelle sowie die Fachstelle für Suchtprävention und Gesundheitsförderung. Im Herbst wird die «Perspektive» an die Weissensteinstrasse 33 umziehen. Dieses Haus wird zurzeit von der Stiftung Discherheim umgebaut.

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